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Krisen in der Doktoratsphase

Krisen und psychische Belastungen können Teil der Doktoratsphase sein. Fast die Hälfte der Doktorand*innen berichtet laut einer aktuellen Studie aus Belgien von psychischen Problemen. Eine Studie aus UK zu Effekten der Corona-Pandemie 2020 lässt zudem darauf schließen, dass die Pandemie Doktorand*innen stärker in ihrem psychischen Wohlergehen beeinträchtigt als anderes Forschungspersonal. Ausschlaggebend hierfür ist die stärkere Unsicherheit der Beschäftigungsverhältnisse, Zukunftssorgen und das Potenzial für Isolation während der Doktoratsphase.

Es gibt eine weit verbreitete Erwartung, dass die Arbeit an einer Dissertation schwierig und stressbehaftet sein muss und dass aussichtsreiche Doktoratskandidat*innen in der Lage sein müssen, dies "auszuhalten". Im Gegensatz dazu soll mit den Ausführungen unten deutlich gemacht werden, dass es Unterstützung bei der Bewältigung von Krisen gibt, sowie Strategien dafür, möglichst beschwingt und produktiv durch diesen Lebens- und Karriereabschnitt zu gehen. Die Informationen richten sich an Doktorand*innen, Dissertations-Betreuer*innen sowie an alle anderen, die sich zum Thema Wohlbefinden & Krisen während der Doktoratsphase informieren möchten. Bereitgestellt sind Handlungsmöglichkeiten zur Prävention und Bewältigung von Krisen, Informationen zum Erkennen von Krisen, hilfreiche Literatur und Materalien, Informationen über die wichtigsten Anlaufstellen sowie Peer-Netzwerke.

Die Autor*innen einer disziplinenübergreifenden Untersuchung in Belgien stellen fest:

a sizeable group of PhD students experience psychological distress or is at risk of having or developing a common psychiatric disorder. Most prevalent are feelings of being under constant strain, unhappiness and depression, sleeping problems due to worries, inability to overcome difficulties and not being able to enjoy day-to-day activities.

Gemäß dieser und anderer Untersuchungen sind es folgende Gründe, die das Risiko psychischer Probleme erhöhen können:

  • Hohes Arbeitsvolumen
  • Probleme mit den Betreuenden der Dissertation
  • Unsichere Zukunftsaussichten innerhalb und außerhalb des universitären Arbeitsmarktes
  • Hierarchien und Abhängigkeiten als prägende Elemente des wissenschaftlichen Systems
  • Isolation, fehlende Peer-Netzwerke
  • Vorkommen von Diskriminierung und sexueller Belästigung
  • Herausforderungen im Forschungsprozess
  • Fehlende Finanzierung des Vorhabens
  • Herausforderungen in persönlichen Beziehungen, mit Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Krankheit

Besonders dem Risiko psychischer Krisen ausgesetzt sind folgende Gruppen:

  • International mobile Forscher*innen (aufgrund der Eingewöhnung in ein neues Umfeld, Finanzierung, Visum, neue Sprachumgebung, geringer Kontakt zu Familie und sozialen Netzwerken)
  • Isolierte Forscher*innen (u.a. in entlegenden Forschungsgebieten)
  • Teilzeit-Forscher*innen (aufgrund von Isolation von einer Forschungscommunity, finanziellen Nöten, Work-Life-Balance-Problemen)
  • Forscher*innen mit Behinderung (wenn keine entsprechende Unterstützung zur Verfügung steht, wenn das Umfeld Barrieren beinhaltet)
  • Forscher*innen mit Familie und Sorge-Verpflichtungen

[1] Levencque, K. et al. (2017): Work organization and mental health problems in PhD students, Research Policy 46(4), 868-879.

Signale für psychische Belastungen können häufigeres Auftreten von Erkrankungen, unerklärliche Häufung von Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen, sowie Änderungen in den Schlafgewohnheiten sein (vgl. Infoblatt des Bundesverbandes für Psychotherapie zu Burnout). Unterstützend bei Prävention und Bewältigung von Krisen kann folgendes sein:

Handlungsmöglichkeit: Unterstützende Netzwerke im professionellen Kontext (insbes. mit Peers & Mentor*innen außerhalb des eigenen Instituts) aufbauen & aufrechterhalten.
  Potenziale: Sie merken, dass Andere ebenfalls Belastungen haben, lernen deren Strategien der Bewältigung kennen und können um Hilfe bitten und Hilfe anbieten. Sie haben Zugang zu externer, unabhängiger Unterstützung, die mit frischen Augen auf Zusammenhänge blickt.

Handlungsmöglichkeit: Sich darüber informieren, wie eine Beratung bei einer der Anlaufstellen (siehe unten) abläuft. Unverbindliche Informationen über Angebote der einzelnen Stellen einholen.
  Potenziale: Sie gewinnen Handlungssicherheit und können abschätzen, ob Sie davon profitieren könnten und was auf Sie zukommt.

Handlungsmöglichkeit: Symptome von Überlastung bei sich selbst wahrnehmen und gegensteuern mit dem, was einem üblicherweise gut tut (z.B. intensiver am sozialen Leben teilnehmen, Sport treiben, Entspannungstechniken praktizieren).
  Potenziale: Sie erleben sich als selbstwirksam und eingebunden in eine Gemeinschaft.

Handlungsmöglichkeit: Überlegen, auf welche stabilisierenden Faktoren und unterstützende Organisationen & Personen Sie in einer Belastungssituation zurückgreifen können.
  Potenziale: Sie stärken sich durch Selbstfürsorge. Sie haben im Falle einer Belastungssituation kontinuierliche Begleitung durch den Bewältigungsprozess.

Handlungsmöglichkeit: Mit Vertrauenspersonen im persönlichen Umfeld über die Belastungen sprechen.
  Potenziale: Dies kann entlastend sein. Es könnte sich zeigen, dass andere Personen die Erfahrung teilen und/oder empathisch sind.

Checking in: Die Psychologin Desiree Dickerson führt im Text "How do I support my group members`mental health and wellbeing right now? A cheat sheet for checking in" aus, wie Forschende mit ihren Kolleg*innen, Team-Mitgliedern, Peers und zu betreuenden Doktorand*innen über ihr Wohlbefinden in Austausch treten können - auch wenn sie keine professionellen Therapeut*innen sind.

Mittels Mentoring-Programmen können wichtige professionelle Kontakte aufgebaut werden, die Teil des eigenen Unterstützungsnetzwerkes werden. An der Universität Graz gibt es u.a. ein Mentoring-Programm für Wissenschaftlerinnen, sowie bis 2022 Mentoring-Angebote im Rahmen der Arqus Allianz.

Angebote der Universität

Kontakt

Lebens- und Sozialberatung für alle Mitarbeiter*innen der Universität

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Beratung beim Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen zu Mobbing, sexueller Belästigung, Diskriminierung ...

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Beratung & Intervention durch den Betriebsrat für das wissenschaftliche Personal

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Beratung & Service für Vereinbarkeit Studium/Beruf & Familie durch unikid & unicare

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Beratung in Zus. m. Behinderung, psychischer und chronischer Erkrankung durch das Zentrum Integriert Studieren der Universität

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Psychologische Beratungsstellen

Kontakt

Psychologische Studierendenberatung Graz

psych.ber(at)uni-graz.at; +43 316814748 or +43 664 88342173
Link

Übersicht über Beratungsstellen der Plattform Psyche Link

Übergeordnete Ombuds-/Stellen

Kontakt

Ombudsstelle für Studierende im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Link

Equality-AG des European Council of Doctoral Candidates and Junior Researchers (Erfahrungen mitteilen, sich einbringen) Kontakt

 Konflikt- und Mobbingberatung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst

Email

(Peer-)Netzwerke sind nützlich für die eigene Forschung, für die professionelle Weiterentwicklung und die Aufrechterhaltung des eigenen Wohlbefindens während der Doktoratsphase (und darüber hinaus).

Es gibt rund um die Universität Graz sowie österreich- und europaweit eine Reihe unabhängiger, selbstorganisierter Netzwerke mit unterschiedlichen Schwerpunkten, sowie universitätsinterne Vernetzungsangebote. Die untenstehende Liste beinhaltet Gruppen und Formate, die für Forschende der Universität Graz möglicherweise interessant sein können. Sie beruht auf sorgfältiger Recherche - dennoch kann für die Richtigkeit der Informationen leider keine Garantie gegeben werden.

Offene Schreibgruppe für Doktorand*innen Gemeinsam an eigenen Schreibprojekten arbeiten und sich dabei gegenseitig motivieren Infos
Feminist Mothering Offene Diskussionsrunde für alle, die sich für feministische Mutter*-/Elternschaft interessieren und versuchen, diese in all ihrer Vielfältigkeit zu praktizieren Kontakt
Netzwerk Qualitative Forschung Interdisziplinäre Plattform für den Austausch über qualitative Forschungsmethoden und ihre Anwendung Homepage
IG Externe Lektor_innen und Freie Wissenschaftler_innen Informationen und Diskussionen zur Situation „freier“ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter, Schwerpunkt österreichische Wissenschaftslandschaft Homepage
Beratungsstelle für Variationen der Geschlechtsmerkmale Peer-Kontakte zu intergeschlechtlichen Personen an Hochschule und darüber hinaus Kontakt
Mailingliste fem@le-L Informationen zu feministischen (und) Frauenforschungsthemen in diesem Bereich größte und relevanteste österreichische Liste Kontakt
Mentoring- und Karriereprogramme für Wissenschaftlerinnen Professionelles Networking, organisiert von der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung der Universität Graz Infos
DISTA In der Arbeitsgruppe und Kooperationsplattform vernetzen sich Menschen, die im Sinne der Disability Studies forschen und arbeiten Homepage
Auflistung in Arbeit ...weitere folgen laufend!  

Wer selbst ein Peer-Netzwerk gründen möchte und Unterstützung bei der Organisation (z.B. Raumsuche) braucht, kann sich gerne an das DocService-Team wenden.

Self-Care während COVID-19 und darüber hinaus: Tipps von akademischen Coaches und Expert*innen

Umgang mit Ablehnungen & Kritik im akademischen Feld

Forschungskrisen und -erfolge

  • Fiedler, W.; Hebecker, E. (2005): „Promotionskrisen und ihre Bewältigung - Empfehlungen zur zielführenden Planung und ergebnisorientierten Gestaltung des Promotionsverlaufs“. In: Berendt, B. et al. (Hg.): Neues Handbuch Hochschullehre, Berlin, Stuttgart, Berlin: DUZ Medienhaus, Raabe, S.1-16.
  • Lerchenmueller, M. J. et al. (2019): Gender differences in how scientists present the importance of their research: observational study, BMJ 2019;367:l6573, doi: 10.1136/bmj.l6573, Link.

Erfahrungsberichte von Doktorand*innen zu Krisen(bewältigung)

Online-Informationsportale zu Facetten psychosozialen Wohlbefindens

  • Blog der IG LektorInnen und WissensarbeiterInnen: Informationen und Hochschulpolitisches für "freie" Wissenschafter*innen: Link.
  • Information und Veranstaltungen zu Vaterschaft des Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark: Link.
  • Materialen und Übung zu Diskriminierung der University of Manchester: Where do you draw the line on bullying, harassment and discrimination?
  • Portal gegen sexuelle Belästigung an der Hochschule der Leuphana Universität Lüneburg, mit Fallbeispielen, Handlungsoptionen, Ressourcensammlung: Link.
  • Informationen für Betroffene von Diskriminierung und Belästigung der Universität Graz: Link.
  • Portal gegen Homophobie, Austausch zu Sexualität und Beziehung, Transgender-Lebensweisen der Beratungsstelle Courage: Link.
  • Webinar-Video über die Bystander Intervention initiative für mehr Sicherheit am Campus der University College Cork (UCC) School of Law.

Aktuelle Studien zu psychischer Gesundheit in der Doktoratsphase

  • Briedis, K. et al. (2020): Gesundheit als Gegenstand der Hochschulforschung:  Erste Ergebnisse aus zwei DZHW-Studien mit Promovierenden und Promovierten, DZHW-Brief 02/2020, Link.
  • Sverdlik, A., & Hall, N. C. (2020). Not just a phase: Exploring the role of doctoral program stage on motivation and well-being. Journal of Adult and Continuing Education. Vol. 26(1) 97–124. Link.
  • Evans, T. M. et al. (2018): Evidence for a mental health crisis in graduate education, Nature Biotechnology 36, 282-284, Link.
  • Levencque K. et al. (2017): Work organization and mental health problems in PhD students, Research Policy 46(4), 868-879, Link.
  • Panger, G.  et al. (2014): The Graduate Assembly of University of California, Berkeley  Graduate Student Happiness and Well-Being Report 2014, Link.
  • Reevy, G. M. & Deason, G. (2014): Predictors of depression, stress, and anxiety among non-tenure track faculty. Frontiers in Psychology 5, 701, Link.
  • Janta, H. et al. (2014): Coping with loneliness: A netographic study of doctoral students. Journal of Further and Higher Education, 38(4), 553-­71, Link.

Studien und Berichte zu verschiedenen Faktoren von wellbeing an der Universität

Prävention in der Hochschule

Kontakt

DocService
Lehr- und Studienservices Halbärthgasse 6/I 8010 Graz
Telefon:+43 (0)316 380 - 1212

Web:docservice.uni-graz.at

Persönliche Beratung nach Vereinbarung. Via Skype4Business/Telefon, vor Ort im Besprechungsraum, Halbärthgasse 6/1.OG (ohne Lift), oder im Raum 0062, UB-Gebäude, Universitätsplatz 3a, 2.OG (barrierefrei).

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